Sags nie dem Marketing
6. April 2009 Roland
- Projekt Leiden
- Sags nie dem Marketing
- Kreative Köpfe sind auch schwierig
Zur Zeit arbeite ich für eine international tätige Firma (Newsunited) und bin mit der Analyse eines neuen Newssystems beschäftigt.
In der Kantine
Gott sei dank hat unsere Firma eine eigene Kantine!
Was ich absolut schätze ist die Möglichkeit mittags mal ein Tablett zu schnappen, ein paar Minuten den Kopf zu leeren und vor allem den Bauch zu füllen.
Da mein Studium noch nicht lange genug vorbei ist (so schlappe zehn oder fünfzehn Jahre oder so) bin ich immer noch gegen Mensaessen immun.
Jaja, in der IT muss man immer schnell Neues lernen und Altes vergessen. Beim Essen ist es manchmal besser Altbewährtes beizubehalten. Zumindest so lange man es irgendwie gesundheitlich hinbekommt…
Hinter mir in der Reihe steht Günther, einer unser Marketingmenschen. Wir kommen so ins Gespräch:
“Hi Roland, na wo verpulverst du gerade unser Geld?”
“Ich darf im Moment mit Hanne und Fred, die fachlichen Anwendungsfälle zu erstellen für ein Newssystem erstellen.”
Günter schaut mich mit leuchtenden Augen an.
“Ah, ihr habt also schon ein Projekt gestartet. Das klingt ja super interessant.”
“Nein nein, wir haben noch kein Projekt, wir sind in der Vorstudie. Der Boss hat uns dafür zwei Monate Zeit gegeben.”
Da eine zweimonatige Vorstudie mit drei Analysten eine relativ ungewöhnlich großzügige Investition ist, bin ich im Moment extrem begeistert.
Günther und ich sammeln unser Essen ein und setzen uns ans Fenster. Die Frühlingssonne ist schon richtig warm, die Bäume schlagen um sich (oder aus) und die Welt ist schön.
Ich sage zu Günther:
“Es ist echt eine super Sache, dass wir so viel Zeit für unsere Vorstudie bekommen und wir wirklich fundiert den Rahmen unseres Projektes festlegen können. DANKE BOSS! Du bist ein Held!”
Günther schiebt sich eine Bratkartoffel in den Mund und grübelt ein wenig.
“Um was geht es denn in eurer Vorstudie genau?”
“Wir wollen ein neues Newssystem erstellen mit dem die Redakteure parallel über der ganzen Welt verstreut neue News eintragen können. Die Oberfläche wird deutlich einfacher und effizienter zu bedienen sein wie die Vorgänger. Überall, wo Daten aktualisiert werden, werden diese direkt auf dem Webclient angezeigt. Du brauchst also keinen Refreshbutton mehr zu drücken.
Auf für den Endanwender wird es deutlich interaktiver. Falls sich im Betrieb eine News ändert, wird dies sofort angezeigt.”
Günther ist begeistert und wirft fast seinen Teller vom Tablett.
“Das ist ja toll! Mit so einem System können wir unsere großen Kunden ausstatten und rennen der Konkurrenz davon! Super!”
“Naja, wenn wir das System fertig haben, kann es gut werden. Aber lass uns erst einmal die Vorstudie abwarten. Wir müssen erst einmal herausfinden ob es so klappen kann.”
Günther nickt und wir reden über ein paar andere Dinge, wie z.B. die Aktivitäten am nächsten Wochenende.
Ich geh zurück zu meiner Vorstudie und denke mir nichts böses.
Drei Tage später
Wir haben am Eingang der Firma einen großen Monitor der die aktuellen Trends und Aktivitäten der Firma anzeigt.
Weiterhin haben wir einen Ständer mit Flyern, bei denen sich unsere Kunden bedienen können.
Ich staune nicht schlecht, dort auf dem Bildschirm zu sehen, dass unsere Firma ein Newssystem mit verbesserter Interaktion erstellt hat.
Die Flyer beschreiben ein System, dass dem aus unserer Vorstudie sehr nahekommt.
Ich geh zu meinem Boss und frag ihn:
“Sag mal, gibt es schon ein Projekt, dass ein Newssystem erstellt?”
Der Boss schüttelt den Kopf.
“Irgend so ein Schwachkopf hat mit unserem Marketing gesprochen. Die haben Geld gewittert und haben eine große Kampagne gestartet. Wir sitzen ziemlich tief im Mist.
Unsere Geschäftsleitung möchte, dass wir unser Newssystem jetzt schnell erstellen. Die Vorstudie muss beendet werden. In drei Monaten muss ein Produkt auf der Straße verteilt werden.”
Oh Schreck!
Da war sie, die Vorstudie.
Und ich kenne den Schwachkopf auch ziemlich gut.
An dem Tag wusste ich, was mein BWL-Prof damit gemeint hat, man soll nie blauäugig ins Business gehen. Ich habe blaue Augen und mein loses Mundwerk hat mich und mein Team um die Vorstudie gebracht.
Fazit
Erstelle immer eine Stakeholder Liste. Schau genau mit wem du redest. Leute, wie Marketingmenschen, sind sehr gefährlich.
Sie können sehr einfach falsche Schlüsse ziehen und damit dein Projekt gefährden oder gar vernichten.
In Firmen ist die Gerüchteküche normalerweise schneller als die Lichtgeschwindigkeit. Wenn du sie auch noch anheizt, dann kollabiert das System sehr schnell.
Artikel mit ähnlichen Schlagwörtern
Der Beitrag wurde am Montag, den 6. April 2009 um 08:10 Uhr veröffentlicht und wurde unter Das Projekt abgelegt.
Dir gefiel der Artikel? Dann abonniere doch den RSS Feed![]()
Du kannst die Kommentare zu diesem Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Du kannst einen Kommentar schreiben, oder einen Trackback auf deiner Seite einrichten.








